11. INLINE ONE-ELEVEN VOM 17. AUGUST 2008
Die 111 Kilometer von St. Gallen an den Bodensee hinunter und wieder zurück sind wohl das härteste aber auch das verrückteste Inline-Rennen auf der ganzen Welt. Vielleicht ist hart auch untertrieben, brutal wäre wohl passender. In diesem Jahr bei der elften Austragung fanden sich nur gerade sechs AthletInnen der speed-inliner-basilisk am Start ein. Dafür war es ein erfolgreicher Tag für die s-i-bler mit dem zweiten Platz von Markus Reimann AK40 beim Seventy (70 Km) und dem dritten Platz von Urs Rotach beim one-eleven (114,5 km). Nicht zu vergessen die guten Leistungen von Léa, Annette, und Patrick. Ein grosses „Bravo“ diesen Fahrern und den anderen die alle ins Ziel gekommen sind.
Der Wecker schrillt! Ein Blick auf die Uhr, es ist ja erst vier Uhr, was ist den jetzt wieder los? Oh je, ich habe mich ja trotz des Startverbotes meines Arztes, für das härteste Inlinen-Rennen der Schweiz angemeldet. Wer hat sich von den s-i-b-FahrerInnen auch noch für diese Strapazen angemeldet? Die sind sicher schon auf der Fahrt nach St. Gallen. Also sofort leise aufstehen und nur nicht die Familie wecken. Nach einem ausgiebigen Frühstück, mit hoffentlich genügend Kalorien, machte ich mich auf den Weg nach St. Gallen. Ich habe mich eigentlich für die Variante 70 km entschieden, aber bin das nicht zu viel für meine körperliche Verfassung? Auf der Fahrt überlegte ich mir, was wohl das sinnvollste ist. Den „Final Twenty“ mit Annette zusammen fahren, den „ThirtyFive“ oder doch den „Seventy“? Die Entscheidung wurde mir im Athletikzentrum bei der Startnummernausgabe abgenommen, da meine Startnummer schon in Güttingen (am Start zu den 70 km) ist, gibt es keine Möglichkeit mehr die Kategorie kurzfristig zu ändern. Es herrschte emsiges Treiben im und um das Athletikzentrum. Ich musste mich beeilen den die Abfahrt mit dem Sonderzug erfolgte um 6.45 Uhr ab dem Bahnhof St. Gallen - St. Finden. Skate anschnallen und fahrt zum Bahnhof. Kaum da angekommen, erblicke ich den ersten s-i-bler. Markus hat sich offenbar auch für die 7O Kilometer entschieden. Im Zug musste ich feststellen, das heute wohl kein gemütliches Breitensportrennen ab Güttingen statt finden wird, da sich doch etliche gute Skater für den Seventy entschieden haben. Im Startgelände von Güttingen hatten wir dann genügend Zeit um uns auf das Rennen vorzubereiten. Markus ermunterte mich mehrmals, endlich vorwärts zu machen den der Start erfolge in kürze. Ich sagte „easy, easy ich hätte noch genügend Gelegenheit zu skaten am heutigen Tag“.
Bei idealen Wetterverhältnissen erfolgte unser Start in Güttingen. Die Aussicht auf Spitzenresultate liessen manche schon kurz nach der Neutralisation ein forsches Tempo anschlagen. Von hinten sah ich nur noch weit vor mir an der Spitze des Feldes den schwarz/gelben Rennanzug von Markus. Werde ich Ihn heute nochmals sehen, oder ist er schon auf dem Rückweg nach Basel wenn ich ins Ziel komme? Eigentlich rollte es mir erstaunlich gut, auch die heftige Steigung nach Schönenbaumgarten hinauf hatte ich noch Reserven. In meiner Euphorie entscheide ich mich, nicht wie kurz vor dem Start noch geplant, die Abkürzung zu nehmen und mit dem entgegen kommenden Fahren zurück ins Ziel zu fahren. Ist auch besser so, den ein DSQ in der Rangliste sind nicht besonders gut aus. So rollte ich so kräfteschonend wie nur möglich dem Wendepunkt entgegen. Auch die Schlaufe wieder zurück nach Altnau wo die ganze Bevölkerung ein Fest feiert, habe ich noch im Griff.
Doch dann beginnen die Schmerzen. Die Adduktoren werden von Nadelstichen geplagt. An die Füsse darf man gar nicht denken. Kein Wunder bei nur zwei Trainingseinheiten mit einer Runde um den Greifensee. In der Steigung hinauf auf den Sonnenberg ob Dozwil wurde mir immer mehr bewusst, dass jetzt auf die letzten 25 beschwerlichen Kilometer hinauf nach St. Gallen geht. Aufgeben, schlapp machen oder was? Hätte ich doch auf meinen Sportarzt gehört und hätte heute Morgen im warmen Bett weiter geschlafen. Aber nun bin ich da am Rennen. Eine Dopingtankstelle gibt es auch nicht, ist auch nicht gerade fair und sportlich, also entscheide ich mich kurz um für eine Massage. Ich bin da nicht der einzige der diese Idee hatte, musste ich doch Schlange stehen. Egal die Entscheidung war getroffen. Trotz der Anstrengung war die Stimmung unter den Wartenden echt gut, kein Wunder bei diesen guten äusseren Bedingungen und dem wieder hervorragend organisiertem Rennen. Ah, tut das gut, was eine Massage zwischen durch so alles bewirken kann.
In Muolen sehe ich Annette am Strassenrand. Ich habe ihr nur kurz „Hallo Annette gerufen, ich fahre schon mal“, denn ich wollte eigentlich die letzten 20 Kilometer gemeinsam mit Ihr bewältigen. Auf keinen fall darf man vergessen zu trinken und sich zu ernähren. Bananen sind das Beste, Äpfel und Riegel sollte man eher vermeiden. Und dann kommen erst die letzten fünf Kilometer von Wittenbach hinauf ins Ziel auf der Hauptstrasse direkt neben den stinkenden Abgasen der Autos. Es rollt es mir immer besser, obwohl die Steigung immer länger wurde. Ich konnte noch einige Fahrer überholen, was mir noch mehr Power verschaffte. Trotz schmerzenden Füssen bin ich wohl gelaunt und im Ziel angekommen.
Und jetzt? Wirklich nie wieder? Die Antwort wissen wir in einem Jahr am nächsten 111. Vorerst geht es darum, sich von den Strapazen zu erholen und die letzte Rennen in Riehen, Tuggen und Berlin noch zu packen.
Allen Beteiligten wünsche ich gute Erholung und vielleicht sehen wir uns im 2009. Dann werde ich hoffentlich besser trainiert an den Start gehen, versprochen und nicht vergessen!
17. August 2008/Freddy Seyfang |