Der Wetterbericht sagte uns schon Tage zuvor nur Regen an, dadurch kam anfangs keine richtige Wettkampfstimmung auf. Erst eine Stunde vor dem Start kam kein Tropfen mehr von Oben und die Strecke trocknete sogar langsam ab. Wenigstens etwas, wenn schon nicht die Temperaturen meinen Vorstellungen entsprachen… ca. 15 Grad am Start und noch mal etwa 10 Grad weniger oben im Ziel. Es war schwierig die richtige Kleidung zu wählen. Was mich auch vor dem Start geplagt hat, war die Frage ob ich mit meinen Blasen, die ich mir eine Woche zuvor beim Training auf den Pass zugezogen hatte, überhaupt schmerzfrei fahren könnte. Komplett mit Tape abgeklebten Füssen ging ich schliesslich recht nervös an den Start, nicht zuletzt weil wir uns durch den verspäteten Shuttlebus zum Start kaum aufwärmen konnten und ich mir doch für dieses Rennen viel vorgenommen hatte. Ich wusste dass ich am Berg recht stark bin. Doch direkt beim Startschuss wurde ich eines Besseren belehrt. Die Spitzenfahrer, von denen überraschenderweise doch noch einige anwesend waren, sind mit einem horrenden Tempo losgeschossen. Anfangs konnte ich noch einige Minuten mithalten, doch die Schlange die sich den Berg hinaufzog wurde immer länger und immer wieder rissen zwischendrin Löcher auf, sodass ich mich irgendwann einfach nur noch auf mich selbst konzentrierte und versuchte meinen Rhythmus zu finden. Es war schwer, da man immer wieder versuchte sich hinter anderen Fahrern anzuhängen und deren Rhythmus aufzunehmen. Ich schaute zwischendurch immer auf meinen Puls und wunderte mich dass ich knapp 10 Schläge unter den Werten vom Training vor einer Woche lag… ständig „nur“ bei 180. Ich dachte schon meine Beine tragen mich heute einfach nicht so schnell den Berg hoch und ich kann mich nicht voll verausgaben. Dies war nicht der letzte harte Schlag für mich, noch immer auf der ersten Hälfte überholte mich bereits die erste Dame, es war unbegreiflich für mich, wie man so schnell diesen Berg hochfliegen kann.
Etwas Motivation habe ich dann wieder bekommen, als Alain Gloor mich überholte und ich mich eine Weile an ihn hängen konnte. Auch als ich die Hälfte der Strecke auf dem Urner Boden erreichte war ich fast schon glücklich gestimmt als meine Uhr mir zeigte dass ich doch gut 4 Minuten schneller unterwegs bin als beim Trainingslauf auf dieser Strecke. Auf den wenigen Kilometern die auf dem Urner Boden flach verlaufen habe ich versucht das Tempo und den Puls hoch zu halten um keine wichtigen Sekunden zu verlieren und nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Die Umstellung vom Berg auf die Ebene und von der Ebene wieder in den Berg kostet extrem viel Energie, was man anfangs gar nicht glauben kann.
In der zweiten Hälfte des Rennens hat mich langsam die Kraft verlassen und ich musste manche Skater an mir vorbeiziehen lassen. Ich habe einfach versucht meinen Rhythmus zu halten und relativ locker zu bleiben, soweit dies überhaupt noch möglich war. Die Temperaturen und die etwas dünnere Luft in der Höhe haben mir langsam zu schaffen gemacht. Auch meine offenen Blasen an den Füssen haben Schmerzen bereitet. Als ich an dem Schild vorbeifuhr „Noch 3 km“ wusste ich nicht ob ich heulen sollte dass es noch so weit ist, oder ob ich mich freuen sollte dass es bald geschafft ist. 3 km den Berg hoch ist eben doch noch ein ganz schöner Fetzen. Am Ende war es nur noch ein Kampf den man mit sich im Kopf ausmachen musste. Ein richtiger Zielsprint war auf den letzten Metern nicht mehr möglich, doch ich hatte am Ende meine Zeit aus dem Training auf diesen Pass um knapp 8 Minuten unterboten und war damit sehr zufrieden. Ich war auch sehr erfreut über die Leistung der anderen Teamkollegen, die alle zusammen alles gegeben haben und stolz auf diese Leistung sein können. Ich selbst wollte mich nicht mehr bewegen, mit tat alles weh, doch ich war überglücklich es geschafft zu haben, das Gefühl ist einfach unbeschreiblich. Einigen Fahrern kamen die Tränen vor Erleichterung. Man kann dem Sprecher des Swiss-Inline-Cups nur Recht geben: „Das war das härteste Inline Rennen der Welt!“