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Rennbericht SIC Engadin 30.06.07
Ein gelbes Auto fährt auf den Parkplatz – nach und nach kommen weitere dazu. Markus wird seinem Paparazzo-Ruf sofort gerecht und schiesst die ersten Fotos. Schliesslich sind wir komplett, ein s-i-b Trüppchen das vom Joggeli Parkplatz aus den Weg in die grosse weite Schweiz unter die Rollen nimmt (vorerst mal vier Rollen pro Gefährt, die Anzahl Rollen sollte sich am nächsten Tag mind. verdoppeln). Unzählige Stunden und Kilometer später haben wir unser Ziel erreicht: das Engadin, genauer St. Moritz. Hier erwarten uns angenehm kühle Temperaturen und ein grosses Hotel – wenn ich mich recht erinnere hiess es „Kempinski Grand Hotel“ – oder wie war das nochmal?? Zusammen mit Chantal und Irène (Léa und Petra folgen später) beziehe ich das „Familienzimmer“. Dann dürfen wir uns im Büffetrestaurant verköstigen, nach dem Motto: let’s schlemm!
Auf dem Weg ins Village entpuppen sich die angenehm kühlen Temperaturen als nicht mehr so angenehm... Und bis wir dann endlich eine Bar gefunden haben die der Allgemeinheit zusagt bin ich einigermassen unterkühlt. (TIPP 1 für Engadin-Marathon-Newcomer: Man kleide sich warm wenn man man abends ausgeht!) Dank zwei gütigen s-i-b Herren, die mir ihre Jacken ausleihen, kann schlimmeres vermieden werden. Bei alkoholischen Getränken wird uns bald wieder warm. Auch die Fantasie wird warm und mir kommen Dinge zu Ohren wie: In der berühmt-berüchtigten Charnadüra-Abfahrt seien Seile gespannt, damit man sich auf den Skates abseilen kann! Na, wunderbar, worauf hab ich mich hier bloss eingelassen? Zu allem Überfluss regnet es inzwischen in Strömen, auf dem Weg zurück gesellt sich zur Kälte nun auch noch die Nässe.
Auch die Thüring-Sisters landen im Hotel, sodass unsere Familienzimmer-Frauen-WG komplett ist. Eigentlich bin ich ziemlich müde, aber irgendetwas hält mich vom Schlaf ab. Vielleicht meine Nerven? Ich muss gestehen, dass ich alles andere als eine Downhill-Fahrerin bin und mich deshalb in dieser Nacht mehrmals frage ob es eine gute Idee war herzukommen...
Nun, der 30. Juni bricht an. Mein Magen erinnert mich daran dass mir heute mein erster SIC Engadin bevorsteht. Im Village treffe ich Annette und Patrick. Die gute Seele Patrick schafft es mich ein bisschen zu beruhigen. Wie immer geht dann plötzlich alles ziemlich schnell und wir befinden uns im Bus nach Maloja, dem Startort des Rennens. Ich sitze eingepfercht zwischen Mitskatern und es wird mir klar, dass es nun kein Zurück mehr gibt. Irgendwie schaffe ich es mich zu beschäftigen, bis es soweit ist: Mit Marco, Christine, Irène und Annette stehe ich im Startblock. Neben meinem Magen (schon ganz nahe am Durchfall) beschäftigen mich die immer dichter aufziehenden Wolken. Laut Wetterbericht müsste es aber trocken bleiben.
Dann geht's los! Ich habe nur ein Ziel heute: Ohne Abfahrts-Herzattacke und Verletzungen ins Ziel kommen. Also, gehe ich es nicht zu schnell an. Den ersten Teil bestreite ich mit Annette. Wir meistern die schnelle S-Kurve, trotz einem Typen, der Annette im Vorbeifahren streift... Dann lasse ich sie ziehen und fahre alleine weiter nach St. Moritz. Ich nähere mich dem 2. Kreisel und weiss: Jetzt gilt's ernst, die Charnadüra-Abfahrt kommt. Und schon sichte ich sie. Ich schicke noch einmal ein Stossgebet zum Himmel, versichere mich dass niemand hinter mir ist und fahre auf den Bremsteppich. Ich versuche den Körperschwerpunkt tief zu halten und alles geht gut! Eigentlich war's halb so schlimm und ich spüre wie sich meine Nerven langsam beruhigen! (TIPP 2 für Engadin-Marathon-Newcomer: Man glaube nicht alle Schauermärchen über die ach so furchtbaren Downhill-Passagen!)
Bald geht's hinauf nach Pontresina und zur Belohnung dieselbe Strasse wieder hinunter. Mir kommen mehrere Basilisken entgegen und am Strassenrand feuern mich Chantal und Eliane an. Meine Kräfte sind noch ziemlich intakt. Auf dem dritten Streckenteil (meist leicht abschüssig das Tal hinunter) finde ich eine gute Gruppe, die mir zwar ein bisschen zu langsam ist, aber immerhin ein gleichmässiges Tempo fährt. Mein Vordermann und meine Hinterfrau fahren das Rennen ebenfalls zum ersten Mal und wir haben keine Ahnung wie weit's eigentlich noch ist. Ich geniesse diesen Teil, von hinten scheint die Abendsonne (Ja, das Wetter hat gehalten!) und das Leben ist in Ordnung. Und plötzlich sehe ich den Zielbogen und kann es nicht fassen! Bis jetzt ist mir noch kein Marathon so kurz vorgekommen. Meine Energie hätte doch noch gut für weitere 10 km gereicht! Ich verabschiede mich aus meiner Gruppe mit einem "Tschüss zämme!" und sprinte ins Ziel. Dort fällt mir ein kleiner Stein vom Herzen, mein persönliches Ziel hab ich erreicht! Meine heutige „Streckenbesichtigung“ hat bestätigt: landschaftlich tolles Rennen. Ein ganz besonderes Erlebnis, dieser Marathon, ich kann ihn nur empfehlen!
Überglücklich suche ich meine Tasche und per Zug geht's im Schneckentempo zurück nach St. Moritz. Im letzten Streckenabschnitt sehen wir einen Rega-Heli an der Strasse – schluck, was ist wohl passiert? Per Skates fahre ich mit Valots zurück zum Hotel. Es flasht mich irgendwie total im jetzt kühlen Abendwind gleich nochmals ein paar Minuten auf den Rollen zu stehen! Die Ladies empfangen mich im Hotelzimmer und nach einer Dusche und Klatsch und Tratsch in der Frauen-WG ist mal wieder Essen angesagt. Wir tauschen unsere Erlebnisse aus. Leider sind 3 von uns im Rennen gestürzt, aber es tönt zum Glück nicht furchtbar tragisch.
Es geht weiter zur Party im Inline Village. Dort sind die Ranglisten ausgehängt und ich bin total erstaunt über die für mich gute Zeit, ich hatte gedacht ich wäre viel länger unterwegs gewesen! Im überfüllten Zelt kriegen wir ein bisschen was von den Rangverkündigungen mit. Viele von uns sind müde und ein Teil verabschiedet sich schon bald. Andere genehmigen sich noch ein paar Drinks. So auch ich. Genauer gesagt: ein Caipi, der so viel Alkohol enthält, dass es mir gerade reicht. Und das trotz reichhaltigem Dinner vorher. Ich verabschiede mich auch und verpasse damit leider diejenigen s-i-b-ler, die noch bis in die frühen Morgenstunden auf den Bänken und Tischen getanzt haben sollen!
Am Sonntagmorgen genissen wir zum letzten Mal das tolle Buffet. (TIPP 3 für Engadin-Marathon-Newcomer: Man faste 3 Tage bevor man ins Engadin reist!) Dann verabschieden wir uns und tatsächlich ist nun der ganze Spuk schon (fast) vorbei, wir begeben uns auf die Heimreise. Ein tolles Wochenende! Danke nochmals an alle die dazu beigetragen haben!
Brigitte Huegin
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