SIC Einsiedeln
Rennbericht aus der Sicht von Martin Bischofberger, einem Einzelläufers
Meine Rennerfahrung ist nicht gross. Wenn man es genau nimmt, fahre ich dieses Jahr zum ersten Mal regelmässig Rennen. Dem entsprechend nervös bin ich. Habe mich für dieses Jahr entschlossen an fünf SIC-Rennen teilzunehmen. Einsiedeln ist nach Sursee und Zürich mein drittes. Ich freue mich riesig darauf!
Der Tag ist heiss und sehr drückend. Schweiss treibt, auch ohne sich zu bewegen. Ich reise mit dem Zug an. Habe etwas Zeit zum herum trödeln, denn alle Läden haben in Einsiedeln bereits um 16:00 Uhr geschlossen. Erste Fragen drehen sich in meinem Kopf. Wie werde ich mit der Hitze klar kommen? Muss ich eine Getränkflasche mitführen? Soll ich mit oder ohne Sportleibchen darunter fahren? Typische Fragen eines Anfängers.
Bei der Anfahrt auf Einsiedeln sehe ich die ersten Wolken. Kein ungewohntes Bild, schliesslich habe ich sechs Jahre in Wädenswil gelebt, um das Technikum in Rapperswil zu besuchen. Der Wind bläst die Wolken in die Berge, also kein Grund sich Sorge zu machen.
Bin heute etwas früher gekommen. Im Training hat man mir vor dem Schlussanstieg gewarnt. Ich mache mich auf den Weg, diesen zu Fuss zu erkunden. Nicht, dass der nicht zu bewältigen wäre, rein technisch, aber etwas Luft muss ich bis zum Schluss haben. Ja, heimtückisch, am Schluss werden beide Anstiege nochmals etwas steiler. Also nicht zu forsch angehen, denke ich mir. Wir werden ja sehen, ob ich meine Vorsätze auch umsetzen kann.
Immer mehr Wolken werden gegen die Berge gedrückt. Hält das Wetter oder wird es doch noch kippen. Ich bin zuversichtlich. Auch aus dem Lautsprechen kommen optimistische Prognosen. Und dennoch. Eigentlich wollte ich meine Sporttasche im Freien lassen. Wo kann ich sie trocken deponieren. Unter dem Anhänger?
Langsam bereite ich mich vor. Nur noch eine Stunde bis zum Start. Andere Mitfahrer, auch mit gelben Leibchen sind schon seit eineinhalb Stunden auf den Rollen. Bewusst langsam wechsle ich mein Rollen aus. Und immer wieder kommen die Zweifel über das Wetter. Wird es nicht nur eine Rennen gegen die Uhr sondern aus gegen das Wetter? Von Zürich her, kommen immer dichtere Wolken heran.
Nur noch eine halbe Stunde bis zum Start. Die letzten Vorbereitungen. Skates anlegen. Die Tasche wird in der Turnhalle verstaut. Ich traue dem Wetter gar nicht mehr. Sicherheitshalber habe ich mir noch Regenrollen gekauft. Aber jetzt reicht die Zeit auch nicht mehr, diese zu montieren.
Die wiederholende Lautersprecherdurchsage verunsichert mich. Auf den ersten zwei Kilometer wird das Rennen neutralisiert. Was heisst das? Welche Konsequenzen hat das? Zum Glück hat es einige alte Basilisk-Hasen am Start? Gehe mich bei ihnen erkundigen.
Inzwischen ist klar! Es wird regnen. Die Frage ist nur wann? Ich nehme mir vor, aufs Ganze zu gehen, um möglichst viel Kilometer trocken hinter mich zu bringen. Immer wieder ein Startschuss. Und nachrücken. Schwitze immer noch vom Einlaufen. Noch zwei Mal nachrücken und unsere Gruppe ist dran, die Fitness Breitensportler. Dieser Schuss hat uns gegolten. Los geht’s.
Nichts zu spüren von der Neutralisation. Die Positionskämpfe finden nun einfach rollend statt. Plötzlich strecken alle ihre Hände in die Höhe. Vor mir versucht einer zu bremsen, dreht sich um die eigene Achsen und fällt hin. Nur nicht bremsen, denke ich mir.
Die Spitze ist auf und davon. Nun ist das Rennen definitiv eröffnet. Bei der Abfahrt werde ich immer schneller, überhole fortlaufend aus dem Windschatten heraus. Plötzlich beginnen meine Skates, oder sind es meine Knie, zu zittern. Nein, nur nicht stürzen. Mach mich kleiner, kompakter, die Stabilität kommt zurück. Puhh, geschafft. Versuche nun den Rhythmus zu finden. Hänge mich an eine Gruppe. Schliesse mich der nächsten, überholenden an. Der Wind bläst kräftig, vorwiegend von der Seite. Wenn ich was erreichen will, so muss ich das mit Unterstützung des Windes machen. In der Zwischenzeit sind wir eine Dreier-Gruppe, die das Gruppenhüpfen macht.
In der ersten Bucht, nach der Seequerung, achte ich mich speziell auf den Wind. Gut, denke ich, Rückenwind. Wenn ein Vorstoss, dann mit Rückenwind, den Anschluss schaffen und sich erholen, wenn der Seiten- oder Vorderwind angesagt sind. Versuche mich zu orientieren. Wie gross ist die nächste Bucht. Kann ich einen nächsten Vorstoss wagen. So gelingt es mir etwa sechs Mal zu einer vordern Gruppe aufzuschliessen.
Es geht schon auf den Schlussanstieg zu. Tanke Luft, bleibe im Windschatten. Der erste Anstieg ist geschafft. Auf dem Zwischenboden atme ich etliche Male ganz tief durch. Nur noch diesen, dann ist das Ziel zu sehen. Drücken, schön tief bleiben!, das Letzte raus holen. Kann weitere Fahrer hinter mich lassen, nicht alle. Und - immer noch trocken, es regnet noch nicht.
Geschafft, ausgepumpt, trocken und glücklich fahre ich durchs Ziel. Suche die anderen Basilisken. Brauche was zum trinken. Lange bleibt nicht Zeit zum Plaudern. Es beginnt zu regnen. Zuerst langsam und dann immer heftiger. Eigentlich wollten wir noch etwas beisammen sein. Doch der heftige Regen hat uns alle vertrieben.
Nach der Dusche erfrage ich den kürzesten Weg zum Bahnhof. Bin total nass. Zwei Stunden Zugfahrt stehen mir bevor. Mit dem schönen Gefühl es wieder geschafft zu haben, beginne ich die Rückreise.
Martin Bischofberger |