Paris Wochenende 2011
Es ist Freitag, der 30. September 2011, morgens um 9.30 Uhr. Eine Gruppe von Skatern trifft sich in der Schalterhalle des Bahnhofs SBB. Ihr Ziel ist Paris. Jann Stettler, Chantal Jacot, Michael Abbass, Karen Abbass, Irène Plüss, Urs Mesmer und meine Wenigkeit besteigen den TGV. Wegen einem ausgedehnteren Aufenthalt in Mulhouse dauert die Reise ein bisschen länger als die geplanten 3,5 Stunden. Lange tuckert der Zug sowieso ziemlich gemütlich vor sich hin. Bloss der letzte Streckenteil ist für hohe Geschwindigkeiten ausgebaut. Während der letzten Stunde geht es vorwärts, die französische Hauptstadt rückt rapide näher.
Am Gare Paris-Est schnuppern wir erste Pariser Luft, erstaunlich warme Luft! Eine direkte Metrolinie bringt uns in den schönen Stadtteil Saint-Germain, wo sich unsere Bleibe befindet, das 2-Stern-Hotel „Welcome“. Unsere Zimmer sind wie erwartet klein, jedoch sauber und charmant eingerichtet. Sie gehen auf die stark befahrene Boulevard Saint-Germain hinaus. Mal sehen wie lärmig die Nächte hier werden...
Zu Fuss gilt es nun die Umgebung zu entdecken. Als erstes gönnen wir uns eine Runde Crêpes. Via Seine-Insel Ile de la Cité schlendern wir dann bei ca. 28 Grad durch das schöne Marais-Quartier. In der Nähe des Place des Vosges suchen wir schliesslich ein Restaurant und werden fündig. Die Bedienung ist sehr zuvorkommend und unterhaltsam. Nachdem unsere Hauptspeisen serviert sind taucht der junge Kellner mit einer Mega-Pfeffer-Mühle auf :-).
Es geht zurück zum Hotel. Das erste Highlight unsres Wochenendes steht bevor: Pari-Roller, der freitägliche Nightskate von Paris. Jann, Michael, Karen, Urs und ich versammeln uns mit Rollen unter den Füssen vor dem Hotel. Chantal und Irène begleiten uns zum Gare Montparnasse, wo die Tour startet. Der Weg mit der Metro dorthin macht grossen Spass! Zuerst Stägeli ab, dann Fahrt in der überhitzten Metro, wo wir rege beäugt werden, und wieder Stägeli uf, Stägeli ab, Stägeli uf, Stägeli ab... Ich erinnere mich leider nicht mehr an den passenden Ausgang aus dem Gare Montparnasse und so fahren und klettern wir eine ganze Weile durch die Metro-Gänge, quasi unser Warm-up. Nicht dass das wirklich nötig gewesen wäre, es ist draussen noch warm genug...
Pünktlich um 22 Uhr geht es endlich los! Nachdem wir uns zuerst gefragt hatten wo all die Teilnehmer bleiben sind doch noch ein paar zusammen gekommen. Auf mehr wie ein paar Tausend schätzen wir die Menge allerdings nicht. 26 km auf der südlichen Seine-Seite erwarten uns. Oft auf breiten Strassen und in flottem Tempo. Das macht richtig Spass! Aber auch Konzentration ist gefragt: Es ist Nacht, der Strassenbelag ist an manchen Stellen mit Löchern oder Bodenwellen gespickt, ab und zu fahren wir über Kopfsteinpflaster-Plätze. Und dann hat es viele Streetskater, die kreuz und quer durchs Feld kurven. Unter anderem begleiten uns auch ein paar Polizisten auf Rollen.
Es gibt viele Stopps, die manchmal etwas länger dauern, aber dann wird wieder gerollt. Die Stimmung ist ausgelassen, manch einer macht sich lautstark bemerkbar. Im ersten Teil fahren wir eine Schlaufe um den Eiffelturm. Die Ambiance in Paris ist nachts wirklich sehr schön. Jann hat seine Kamera dabei und versucht ständig gute Schnappschüsse zu schiessen, was sich als schwierig erweist. Wir dürfen ab und zu als Stützpfosten oder Schiebemotor hinhalten ;-).
Nach gut der Hälfte gibt es eine Pause. Eine Gelegenheit sich abzukühlen! Urs organisiert uns Wasserflaschen, merci beaucoup! Eigentlich ist es inzwischen nicht mehr so heiss, aber wenn man skatet oder in der Menge wartet läuft der Schweiss in Bächen.
Der zweite Teil ist ziemlich coupiert, bald geht es eine Strasse hinab, bald wieder eine hinauf. Gegen Ende fahren wir mal länger bergauf. Wir rücken im Feld immer weiter vor. Einer der Polizisten scheint langsam müde zu werden. Wir überholen ihn und Jann kann es nicht lassen ihm ein „Allez, flic!“ zuzurufen :-).
Um 1 Uhr sind wir zurück beim Gare Montparnasse. Wieder folgt unsere Metro-Odyssee. Wenn es mal einen Nightskate durch die Pariser „Unterwelt“ geben sollte, wäre ich sofort dabei! Vor dem Hotel erwarten uns Chantal und Irène. Es soll gutes Eis geben im Restaurant unterhalb des Hotels :-). Aber ich habe nun aber vor allem einen Wunsch: duschen! Todmüde fallen wir gegen halb 3 Uhr schliesslich ins Bett. Der Verkehr hat nicht wirklich nachgelassen. Nur dank Ohrstöpsel und grosser Müdigkeit schlafe ich einigermassen okay.
Eigentlich haben wir ja ein freies Wochenende, aber bereits um 9.30 Uhr soll’s nach der kurzen Nacht zum Frühstück gehen... Na gut, ich beuge mich dem Willen der Mehrheit. Um die Ecke befindet sich die Bäckerei/Café „Paul“. Das Frühstück dort entpuppt sich als Glücksgriff. Wir geniessen u.a. frisches Baguette und sehr gutes Yoghurt. Der frische Orangensaft ist so herrlich sauer, dass auch ich langsam wach werde.
Karen und Michael sind zum ersten Mal in Paris. Also machen Urs, Irène und ich eine „Touri-Tour“ mit ihnen. Jann und Chantal sind in der Zwischenzeit auf eigene Faust unterwegs.
Von der Kirche Notre-Dame geht’s Richtung Aussichtsplattform beim Trocadero, wo sich der Eiffelturm in seiner ganzen Pracht zeigt. Auf einer Parkbank genehmigen wir uns dort ein Sandwich und stellen fest dass wir alle ziemlich müde sind... Während es sich Karen und Michael je auf einer Bank bequem machen, legen wir andern drei uns auf den Rasen und sehr bald sind alle Augen geschlossen :-).
Jetzt fühlen sich Karen und Michael fit genug um den Eiffelturm per Treppe zu besteigen. Urs, Irène und ich ziehen eine gemütliche Eisrunde vor. Nach etwa 10 Minuten finden wir eine italienische Eisdiele – genau wie gewünscht :-). Auf dem Weg zurück zum Turm, wo wir die andern beiden wieder treffen wollen, sehe ich Michaels SMS, dass sie gar nicht oben waren. Die Schlange zum anstehen war doch länger als sie zuerst schien :-(.
Nun fehlen uns noch die Champs Élysées. Per Metro geht’s zum oberen Abschnitt dieser schnurgeraden Strasse, wo uns der Arc de Triomphe empfängt. Leider gleicht diese Kopfsteinpflaster-Avenue eher einer Autobahn (4 Spuren in jede Richtung), sehr idyllisch ist es hier nicht. Toll sind die breiten Trottoirs auf beiden Seiten. In einem dortigen Strassencafé gönnen wir uns eine Erfrischung. Während die einen diese Ecke von Paris noch ein wenig genauer erkunden wollen, machen sich die anderen auf den Weg zum Hotel zurück.
Alle gemeinsam suchen wir einen Ort für unser Abendessen. Ganz in der Nähe unseres Hotels finden wir eine Art Innenhof, der aus ein paar kleinen Gassen besteht. Die Brasserie „Relais Odeon“, die wir dort finden, scheint uns einladend. Und tatsächlich, wir essen sehr gut. Hier machen wir Bekanntschaft mit dem Mini-Nachwuchs der Riesen-Pfeffer-Mühle vom Vorabend :-).
Per Metro geht’s danach zur Pont de l’Alma, von wo aus sich ein schöner Blick auf den nächtlich beleuchteten Eiffelturm bietet. Nachts glitzert dieser jede volle Stunde ein paar Minuten lang durch das schnelle Blinken von hellen Lampen. C’est magique! Was uns ebenfalls fasziniert sind die Strassenlampen auf der Brücke. Sie sehen Aliens verblüffend ähnlich.
Auf dem Rückweg amüsieren wir uns köstlich über Karens Grimassen :-S. Wie aus einem so hübschen Lächeln bloss ein solches Gesicht werden kann...
Ein paar von uns nehmen noch einen Schlummertrunk in unserem Hotel unten drin. Ich möchte das gute Eis probieren :-). Es entpuppt sich als Berthillon-Eis, welches das beste von Paris sein soll. Ich denke das dürfte stimmen!
Noch eine Stunde früher wie gestern :-( steht das sonntägliche Frühstück an. Wir finden uns bei „Paul“ wieder. Der saure Orangensaft verfehlt seine Wirkung, richtig wach werde ich heute nicht. Das soll den ganzen Tag so bleiben. Anstrengend, solche Städtereisen... Aber trotzdem lohnenswert!
Wir checken im Hotel aus und bringen unser Gepäck zum Bahnhof.
Zusammen mit Irène, Jann und Chantal gehe ich heute nach Versailles. Chantal hatte am Vortag die Info bekommen, dass der Eintritt jeweils am ersten Sonntag im Monat frei sei. Der Regionalzug bringt uns in einer halben Stunden hin. Wir wundern uns ein bisschen über die Menschenschlange vor dem Billetschalter... und stellen uns direkt beim Eingang an. Schon bald sind wir vorn und sehen dass alle ein Billet in der Hand halten. Na gut, das wird wohl statistischen Zwecken dienen und kostenlos sein. So stehen wir halt auch für Billette an. Das dauert... und am Schluss erfahren wir dass der kostenlose Sonntag nicht für alle Monate im Jahr gilt!
Wir beginnen mit einer Ausstellung über Versailles heute: Neue Möbel integriert in den alten Räumen. Dieser Teil ist dermassen geschmacklos, dass ich mir überlege ob ich gleich wieder gehen soll! Bei den Räumlichkeiten der Königs-Entourage wird es besser. Der Menschenstrom wird von Raum zu Raum geleitet, man kommt sich vor wie eine Kuh in einer Herde. Wir legen wohl ein paar Kilometer zu Fuss zurück. Wirklich imposant sind die Königsgemächer! Hier glitzert und glänzt es fast so schön wie am nächtlichen Eiffelturm :-). Blicke aus den Fenstern zeigen den riesigen Garten, für den alleine man sicher noch mal mindestens einen halben Tag investieren müsste. Nach ein paar Stunden haben wir genug und stärken uns mit Tarte aux poires und anderen Leckereien im etwas seltsam anmutenden Café, das irgendwie eher an eine Mensa erinnert.
Im völlig überfüllten Regionalzug geht’s zurück ins Zentrum von Paris, wo wir im Bahnhof die anderen treffen. Nun freue ich mich ein paar Stunden sitzen zu können! Um 18.30 Uhr verlässt unser TGV die französische Metropole. Das war’s leider schon... Am Bahnhof SBB verabschieden wir uns voneinander. C’était un week-end formidable, collègues :-)!
Brigitte Huegin |